Muttertag steht vor der Tür. Ein besonderer Tag für alle Frauen, die Mutterschaft in ihr Leben eingeladen haben.

Ich erinnere mich gut daran, als ich als Kind an diesem außergewöhnlichen Tag mit meinen fünf Geschwistern in der Küche antrat, um meiner Mama etwas selbst Gebasteltes oder die von ihr geliebten Rumkugeln zu schenken. Es war schön, das Leuchten in ihren Augen zu sehen. Vielleicht habe ich diese Freude in ihren Augen so selten gesehen, dass gerade sie mir in Erinnerung blieb.

Von den vielen Tagen meiner Kindheit, in denen ich mit meiner Mutter Beziehung lebte, waren die wenigsten für mich stressfrei. Das Verhältnis zu meiner Mutter war zeitlebens ein sehr gespanntes. Hätte man meinen Stresspegel damals gemessen, sobald ich die Schritte meiner Mama vernahm, ich glaube jeder Arzt hätte gesagt, ich müsse schleunigst etwas gegen den Stress unternehmen.

Warum ich das so fühlte? Vermutlich spürte ein Teil in mir, dass mich meine Mama, so wie ich war, nicht annehmen und lieben konnte. Nicht so, wie ich es mir als Kind gewünscht hätte, um mich sicher zu fühlen und entspannt zu sein. Ich habe mir mit acht Jahren eine andere Mama gewünscht. Und das war keine Schnapsidee, die ein paar Stunden anhielt. Nein, es war ein grundlegendes Gefühl. In mir schlummerte die Sehnsucht nach einer glücklichen Mama, die ich nicht glücklich zu machen brauchte.

Ich war unglücklich mit dieser meiner Mama und ich wusste nicht, wie sich das jemals ändern hätte können. Es half mir auch nicht zu sehen, dass sich meine ältere Schwester so viel besser mit ihr verstand. Dass mein Bruder, als der Hahn im Korb, eine Sonderstellung hatte. Und dass noch drei jüngere Schwestern entsprechend Aufmerksamkeit von meiner Mama forderten. Ich spürte, dass meine Mutter überfordert war. Also lernte ich früh, für mich selbst zu sorgen. Ich machte die meisten Dinge eigenständig. Und manches nur, um meiner Mama zu gefallen. Dass wir uns durch solche Verhaltensmuster, von unserer Wahrheit entfernen, steht außer Frage. Aber als Kind haben wir kaum eine Wahl.

Die Jahre vergingen, und dieses Gefühl, dass etwas zwischen mir und meiner Mutter stand, änderte sich kaum. Nicht, dass mir meine Mama nicht zu meinen Erfolgen gratulierte – das tat sie – doch an entscheidenden Wegkreuzungen meines Lebens war sie für mich als Mutter nicht präsent. Als ich mit 24 Jahren meine bevorstehende Hochzeit absagte, war meine Mutter wütend und zornig auf mich und solidarisierte sich mit dem Mann, den ich durch meine Entscheidung sehr verletzt hatte. Ich wusste insgeheim, dass ich mich ihr mit meinem Problem nicht hätte anvertrauen können. Ich wusste instinktiv, wie sie reagieren würde. Und das schmerzte sehr.

 

Der Schritt in die Heilung

 

Als ich mit 30 Jahren mein Land verließ, um im Ausland zu leben, tat ich es nicht ausschließlich darum, um mir einen Herzenswunsch zu erfüllen und eine besondere Erfahrung zu machen, sondern vor allem auch, um mein Leben zu ordnen. Aber das verstand ich erst, als ich in Südfrankreich begann, mir Fragen zu stellen. Meine Seele war diesbezüglich viel weiser gewesen.

Ich hatte gedacht, dass eine neue Umgebung mich glücklicher machen würde. Weit gefehlt. Wir nehmen uns überall hin mit. Und ich hatte es Jahrzehnte lang verabsäumt, mich meinen verdrängten Gefühlen zu stellen. Alles holte mich ein, und es begann ein langer Prozess der Befreiung und Heilung.

In den sechs Jahren, in denen ich im Ausland lebte, ging ich den Dingen auf den Grund, lernte mich meinen Traurigkeiten und meiner Wut zu stellen und fühlte mich dabei sehr verletzlich. Der Gedanke, meine Familie zu besuchen, erzeugte unglaublichen Druck. Es kostete mich Mühe und Kraft, nach Hause zu fahren.

Aber wenn ich mir eines von Herzen wünschte, dann war es, Frieden in mir zu machen und an einer authentischen Beziehung zwischen mir und meiner Mama zu arbeiten. Denn insgeheim wusste ich, wenn ich gefühlsmäßig auf Kriegsfuß mit ihr war, dann würde mich dieses Gefühl zeitlebens bei allen meinen Unternehmungen blockieren.

Deine Mutter lebt in dir weiter. Alles, was sie für dich in deiner Kindheit war, hast du tief integriert. In den ersten sechs Jahren noch dazu völlig unbewusst, da unser Gehirn in diesem Alter vorwiegend in der Thetafrequenz von 4-8 Herz arbeitet. (Siehe dazu auch folgenden Artikel).  Als Kleinkinder nehmen wir alles ungefiltert und wertfrei auf. Alle Bewertungen, Beurteilungen, Prinzipien, Überzeugungen und Glaubenssätze, die unsere Mütter uns vorgelebt haben. (Natürlich trifft das Ganze auch auf unsere Väter zu).

Ich wusste, dass wenn ich meiner Mutter nicht vergeben würde, ich mich zeitlebens in einem Gefängnis befinden würde, in dem die Freiheit ein leiser Traum blieb. Also wurde ich eines Tages aktiv. Und ich nahm mir die Zeit, meiner Mutter zum Muttertag einen langen Brief zu schreiben, in dem ich alles niederschrieb, was mich als Kind verletzt, traurig und zornig gemacht hat. Ich notierte ausschließlich Ich-Botschaften. Ich wollte sie nicht anklagen, ich wollte mein Inneres Kind sprechen lassen. Die kleine Erika schrieb sich alles vom Herzen, was sie dreißig Jahre lang mit sich herum getragen hatte.

Das war der Anfang der Heilung. Ich begann meine Gefühle ernst zu nehmen. Ich begann, mein inneres Kind ernst zu nehmen. Und ich übernahm Verantwortung, um mein emotionales Leben in Ordnung zu bringen. Ich gab all das, was mir nie gehört hatte und ich über die Jahre mitgeschleppt hatte, dorthin zurück, wo es hingehörte. Symbolisch. Gedanklich. Gefühlsmäßig. Und ich spürte, wie ich damit mehr in meine Kraft kam.

Niemandem ist geholfen, wenn man ihm die Lasten abnimmt, die er selbst zu tragen hat, weil es Teil seiner Lebensaufgabe ist. Erstens verhindert es das eigene Weiterkommen, zweitens raubt man dem Anderen Anteile, die ihn erst ganz machen, und drittens ist es eine Form von Achtlosigkeit, da man dem Anderen nicht zumutet, mit den Anforderungen seines Lebens klarzukommen.

Dieser Prozess der Vergebung war einer der kraftvollsten meines Lebens. Ja, er war auch schmerzhaft. Erwachsenwerden tut weh. Abnabelung verlangt allen Mut. Aber gleichzeitig ermöglicht es uns, die eigene Mutter als die zu sehen, die sie ist. Mit allen ihren Stärken und Schwächen. Und ohne unbewusste Idealisierung oder Beschönigung der Kindheit.

Wenn wir die eigene Mutter, die in uns ewig weiterlebt, nicht annehmen, dann nehmen wir einen Teil von uns nicht an. Und die Erfüllung unserer Herzenswünsche bleibt blockiert. Wir werden uns nie erlauben, das zu leben, wofür wir gedacht sind.

Erst wenn die Ordnung hergestellt ist, strömt uns von der eigenen Mutter Kraft zu. Sie steht symbolisch hinter uns, gibt uns Schutz und Sicherheit und erlaubt uns, in unser eigenes Leben zu gehen.

Damit du dein Leben leben kannst, braucht es Frieden in dir. Frieden mit deiner Mutter. Mit deinem Vater. Mit deiner Herkunft. Und auch wenn deine Mutter nicht mehr leben sollte, kannst du diese Heilung durch das Herstellen der Ordnung in die Wege leiten.

Ich habe mir eine authentische Beziehung mit meiner Mutter gewünscht. Ja, manchmal fühle ich sie noch die Anspannung, aber zumeist erlebe ich mich in meiner Kraft. Je mehr ich gelernt habe, zu mir und meiner Lebensaufgabe zu stehen, desto mehr konnte mich meine Mutter als die annehmen, als die ich gedacht war. Und ich kann heute bewundern, was sie in der Erziehung ihrer sechs Kinder geleistet hat. Davor ziehe ich den Hut.

Vielleicht hatte ich mir für diese Lebensreise vorgenommen, besonders stark zu werden. Wenn meine Mutter dazu beigetragen hat, dann bin ich ihr zu großem Dank verpflichtet.

 

 

Mag der Mensch noch so oft in die Irre gehen. Den Weg zurück zum Herzen der Mutter kann er nicht verfehlen.

Anton Wildgans

Vielleicht ist für dich die Zeit um den Muttertag auch eine Zeit der Besinnung und eine Zeit, um in der Tiefe zu spüren, wie es um deine Beziehung mit deiner Mutter steht. Diese wunderbare Musik könnte deine „Reise“ begleiten.

 

Wenn du deine Erfahrungen teilen möchtest, schreib gerne darüber in den Kommentaren. Wie erlebst du die Beziehung mit deiner Mutter? Welchen Herausforderungen begegnest du? Was wünschst du dir?

Wenn du spürst, dass du noch nicht im Frieden bist, und du auf deinem Weg der Heilung Unterstützung suchst, dann komm ins Gespräch mit mir. Ich begleite dich gerne.

 

Herzlichst

Deine Erika

 

Anmerkung: Titelbild von Pixabay

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