Aus: "Reiseerzählungen aus Südfrankreich"

Niemand weiß, was er kann, bis er es probiert hat.

Pubilius Syrus

 

Aufbruchsstimmung

 

Den Entschluss, ein Schuljahr im fremdsprachigen Ausland zu verbringen, fasste ich im Frühjahr 2004. Ich hatte bereits neun Jahre an einer Privatvolksschule in Wien unterrichtet und war offen für neue Herausforderungen. Meinen ursprünglichen Wunsch, nach Haiti zu gehen, um in einem SOS Kinderdorf mitzuarbeiten, verwarf ich aufgrund der politischen Unruhen, in die das Land damals unter Führung Aristides verstrickt war. Da ich theoretisch auf drei Jahre französische Sprachkenntnisse zurückgreifen konnte, sollte die Wahl schlussendlich auf Frankreich fallen, auf ein Land, dessen Zugehörigkeit zur Europäischen Union mir gewiss auch Vorteile bringen würde. Ich erfuhr auf Umwegen von dem Sprachassistenzprogramm der Österreich Kooperation und war mir sicher, das Richtige gefunden zu haben. Meine verspätete Anmeldung kam immer noch rechtzeitig, da für Frankreich überdurchschnittlich viele Einsatzmöglichkeiten vorgesehen waren. Außerdem ersparte ich mir ein fremdsprachiges Aufnahmegespräch, was meinen Traum eines Abenteuers gewiss begünstigte.

 

Anfang Mai war es so weit: meine Aufnahme in das Programm war besiegelt. Zu meinem Erstaunen erhielt ich meine Wunschregion Südfrankreich zugeteilt; eine Entscheidung, die ich traf, als ich im April – halb erfroren von dem strengen Winter – längst auf frühlingshaftere Temperaturen wartete.

 

Aus ganz pragmatischen Gründen entschied ich mich außerdem für einen Einsatz an Grundschulen, da mir diese Art der Tätigkeit vertraut war und ich gewiss mit den sprachlichen Barrieren mehr als herausgefordert sein würde. Während der Seminartage für angehende SprachassistentInnen in Wiener Neustadt verstand ich es gerade einmal, mich auf Französisch vorzustellen. Alle weiteren fremdsprachlichen Informationen waren für mich ein undurchdringliches Dickicht. Doch war mein persönliches Ziel klar formuliert und ich voll  hoher Erwartungen. Dem aufregenden Gefühl, bald in die Welt einer mutigen Abenteurerin eintauchen zu dürfen, folgte eine Reihe intensiver privater Vorkehrungen, die sehr banale Angelegenheiten betrafen, wie die der Versicherungen, meine Karenzzeit, die Wohnungsvermietung und Bankgeschäfte. Der Genuss wollte erst verdient werden.

 

Heute erscheint mir die Phase vergleichbar mit einem Geburtsakt, dessen Anstrengung mit den Jahren an Intensität verliert. Nicht, dass ich besondere Erfahrung im Kinderkriegen hätte, doch glaube ich, dass der Prozess ein ähnlicher war. Damals empfand ich den Aufwand und die Energie, die ich für mein Projekt zu investieren bereit war, beachtlich. Dabei schien meine ganz persönliche Vorbereitung und Organisation noch die verlässlichste zu sein, denn alles, was aus Frankreich an Engagement eingebracht wurde, ließ sehr zu wünschen übrig. Zwar erhielt ich noch zu Ferienbeginn einen Vertrag, in dem die Adressen dreier Grundschulen in Martigues angegeben waren, doch nach einer ersten Kontaktaufnahme via Telefon Ende der Sommerferien stellte ich resigniert fest, dass keine der angegebenen Schulen für eine Assistentenstelle geworben hatte. Ohne die genaueren Gründe verstanden zu haben, wusste ich um die jedenfalls verständlichen und deprimierend kurzen Absagen.

 

Ich griff hilflos auf Maria, eine Französischexpertin zurück, die sich in der Folge ans Telefon klebte, um den Südfranzosen in deren unerschütterlichen Ruhe auf charmant sanfte Weise Druck zu machen. Nach einer Reihe von Versuchen kam heraus, dass meine Betreuungsperson Danielle Fery hieß, pädagogische Beraterin in der Inspection Educationale war und sich um alles Weitere kümmern würde – nur eben in der Geschwindigkeit einer Südländerin, um die ich sie zu jedem erdenklich günstigeren Zeitpunkt beneidet hätte.

 

Noch wenige Tage vor meiner Abreise war nicht klar, wo ich wohnen und unterrichten sollte und ob mich überhaupt jemand auf dem Flughafen in Marseille erwarten würde. Ich übte mich in Gelassenheit und stimmte mich auf mein neues Leben in südlicheren Gefilden ein. Bis zum Ende meiner Tätigkeit sollte ich meinen eiligen Schritt in den Straßen Martigues auf das halbe Tempo reduziert haben.

 

Schließlich kam alles zurecht: eine Untermieterin für meine Wohnung in Wien, die Gewissheit einer Unterkunft in Martigues und die Zusage eines Taxis vom Flughafen aus. Die Schleife, die der Flieger über dem Mittelmeer während seines Landeanflugs auf den Flughafen Marignane zog, wirkte nachhaltig. Ich würde also genau hier ein Jahr lang leben, wo andere ihren Urlaub verbrachten.

 

Wie vereinbart, erhielt ich von Madame Fery erste Starthilfe in meiner neuen Heimat. Sie hatte vorübergehend ein Zimmer in einem Hotel reserviert, mich in den nun tatsächlich vorgesehenen Schulen vorgestellt und sich auch sonst wider Erwarten rührend um meine Ankunft gekümmert.

 

Oktober

 

Am 1.Oktober zog ich in ein freundliches, 15m² kleines Appartement in 2, Quai Toulmond ein und blickte dabei auf das trübe und magisch stille Wasser in dem von zahllosen Segelbooten gefüllten Kanal. Ich fühlte mich königlich. Die einzige Störung, die sich alsbald bemerkbar machte, war die Anwesenheit meiner beiden mit heftig südländischem Temperament ausgestatteten Nachbarn. Monate später zeigte sich mein Schwager schockiert über die filigranen „Kartonwände“, an die anzulehnen ein rechtes Risiko darstellte. Das geringste Geräusch wahrnehmend, hätte ich durchaus bei Gelegenheit vor Gericht alle privaten Dispute des zankenden Pärchens bezeugen können, wäre mein sprachliches Niveau ein besseres gewesen.

 

Bevor ich meine Arbeit in den Schulen begann, wurden Assistenten aus aller Welt zu Einführungstagen nach Marseille geladen. Es war ein kulturell buntes Treffen in einer ebenso lebendigen und farbenfrohen Stadt, die seit jeher Zuflucht für Menschen jeder Herkunft ist.

Meine drei Schulen, für die insgesamt zwölf Deutschstunden in den CM1 (cours moyen 1) und CM2 (cours moyen 2) vorgesehen waren, hatten bedauerlicherweise nur acht zur Verfügung, jedoch befand Madame Fery das Ausmaß der Unterrichtsstunden als ausreichend, nachdem sie ihr Gewissen mit der Anerkennung einer weiteren Vorbereitungsstunde beruhigt hatte.

An den Standorten Canto Perdrix II und Robert Desnos unterrichtete ich völlig autonom im Beisein der Klassenlehrer, die für die notwendige Disziplin sorgten. In der Schule Di Lorto arbeitete ich im Team mit Nathaly, einer engagierten Deutschlehrerin, für deren Anwesenheit ich bis zum Ende meiner Tätigkeit zutiefst dankbar bleiben sollte.

 

Wenige Schüler der CM1 hatten schon Vorerfahrung in der deutschen Sprache. Allesamt waren sie jedoch neugierig, wer sie hier vor Ort mit seinem betont starken Akzent ein Jahr lang betreuen würde. Mit Österreich assoziierten die meisten Kinder so gut wie gar nichts, andere verwechselten das Land mit dem Vogel Strauß, liegen doch l’Autriche und l’autruche wahrhaft eng beieinander. Verblüfft war ich darüber, dass der Fußballclub Austria Wien den Kindern ein Begriff war, was ich in einer Fußballnation wie Frankreich nicht zwingend vorausgesetzt hätte.

Mein Empfang in den Schulen war also durchaus freundlich, das Klima in den Klassen ein gutes und das Verständnis für meine Sprachbarriere groß. Dass ich Madame Chaussure hieß, erheiterte viele, und auch sonst war ich bemüht, meine Schützlinge bei Laune zu halten.

 

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Die große Frage ist, ob du fähig sein wirst,

laut und herzlich JA zu deinem Abenteuer zu sagen.

Joseph Campbell

 

 

HERZliche Grüsse

Erika

 

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