Inmitten dieses heißen, schnellen und transformativen Sommers sind nicht nur Sprünge ins kalte Nass eine wohltuende, erfrischende Abkühlung, sondern auch wahre Herzensbegegnungen Balsam für Herz und Seele.

In der letzten Woche hat sich in meinem Leben ein besonderer Zauber über die einzelnen Wochentage gelegt. Es war eine Woche der kleinen Wunder mit herzerfrischenden Einladungen, unerwarteten Geschenken, heilsamen Begegnungen und herzlichen Gesprächen mit wildfremden Menschen.

Meist sind es diese unscheinbaren, leisen Gesten, die uns in jenes menschliche Berührt-Sein führen, das uns ein Gefühl von Lebendigkeit und Geborgenheit vermittelt. Das Gefühl, eingebettet zu sein in etwas Höheres. Etwas, das uns führt und in die Liebe heimholt.

Eines dieser zauberhaften Wunder der letzten Woche möchte ich heute mit dir teilen:

 

Das rostige Balkongeländer

 

Mein Balkongeländer wies seit geraumer Zeit unschöne Rostflecken auf, und also stand auf meiner To-Do-Liste die Korrektur derselben in diesem Sommer. Ich hatte die Arbeit einmal vor Jahren auf mich genommen und keine wirkliche Freude dabei empfunden, also beschloss ich, diesmal professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Ich fragte eine liebe polnische Freundin, ob sie in ihrem Bekanntenkreis einen Handwerker kannte, den sie mir empfehlen konnte. Sie versprach, sich umzuhören. Ein Monat verging ohne jede Nachricht. Aber ich wusste mittlerweile, dass mit etwas Geduld die richtige Lösung zur rechten Zeit kommen würde. Das Leben hatte es mir in unzähligen Situationen gezeigt.

Vor einer Woche klingelte das Telefon. Es war eine mir unbekannte Nummer. Und es war Bogdan, der sich um mein Geländer kümmern wollte. In seinem gut verständlichen Akzent klärte er mit mir allerhand Details die Reparatur betreffend. Ich spürte von Anfang an, dass dieser Mann Ahnung von seinem Handwerk hatte. Wir hatten alle offenen Fragen besprochen und bevor ich das Telefonat beendete, stellte ich ihm die Frage nach seinem Stundensatz. „Mach dir keine Sorgen, Erika.“, antwortete er, „Das kostet nicht viel.“ Ich war etwas irritiert, und die unsichere Stimme in mir wollte bereits in eine niedrig schwingende Analyse abdriften, als ich beschloss, mich ganz einfach ins Vertrauen zu begeben.

Wir vereinbarten einen Termin, und als Bogdan letzten Montag an der Tür läutete, fand ich mich auf Augenhöhe mit einer ganz und gar lichten Seele. Ich spürte es sekundenschnell, während ich ihn begrüßte und in seine Augen blickte. Und vermutlich empfand er dasselbe. Bogdan war ein hochgewachsener Mann mit dunklem Haar und leuchtend braunen Augen. Sein gesamtes Wesen war vertrauenserweckend. Er war ein Herzmensch und ich wusste, ich hatte den richtigen Handwerker vor mir stehen.

Ich muss dazu sagen, dass, wann immer ich die Wohnung räuchere, ich in der Eingangstür den Wunsch ausspreche, dass nur Menschen mit offenem Herzen über diese Schwelle treten mögen. Dass es Menschen sind, die ihr Licht strahlen lassen. So wie es meine Wohnung mit den vielen Fenstern ermöglicht. Und wie es die sonnengelb bestrichene Wand im Flur widerspiegelt.

Ich bat Bogdan zur Tür herein und zeigte ihm den „Patienten“. Es war ein brütend heißer Sommertag und mein nach Westen ausgerichteter Balkon badete nachmittags bei schönem Wetter stets in gleißend hellem Sonnenlicht. Bogdan schien die Hitze nicht zu kümmern und schnurstracks ging er ans Werk. Er wünschte sich noch das eine oder andere Werkzeug und versprach, mich zu rufen, wenn er Hilfe brauchte.

Während ich an meinem Computer arbeitete, schliff er eifrig den Rost, grundierte das Rohr und überzog es fein säuberlich mit dem weißen Bootslack. Nach einer Stunde legte er den Pinsel weg und meinte, er würde sich ein andermal gerne mehr Zeit nehmen, und das gesamte Geländer verschönern. Er war nicht wirklich zufrieden. Was mich betraf, so war ich selig, dass ich einen Punkt aus meiner To-Do-Liste streichen konnte 🙂

Ich dankte Bogdan aufrichtig für die gewissenhafte Arbeit, freute mich über das gutaussehende Ergebnis und ging daran seinen Einsatz zu würdigen. Ich fragte ihn einmal mehr, was ich ihm schuldete. Er erwiderte in aller Ruhe und in einer Selbstverständlichkeit mit berührendem Akzent: „ Nichts, Erika. Gar nichts.“  Ich war sprachlos und obwohl ich sagte, dass ich das nicht annehmen konnte, ließ er nicht von seinem Standpunkt ab.

Mein Angebot einer Tasse Kaffee nahm er gerne an. Wir nahmen im Wohnzimmer Platz, und während er aus seiner Tasse trank, redeten wir über unser beider Leben. Über unsere Herkunft, unsere beiden Familien, die ähnlich groß waren, über das Reisen, die Fremde, über Sprachen und Menschlichkeit. Ich erzählte aus meiner Zeit in Frankreich, ein Land, das auch seine Kinder als ihre Wahlheimat gewählt hatten. Woraufhin ich ihm die Bücher zeigte, die ich geschrieben hatte. Er schien begeistert und stellte mir viele Fragen. Wir teilten eine halbe Stunde pure Menschlichkeit in einem Austausch von Herz zu Herz. Von Seele zu Seele.

Bevor er ging, fragte er mich, ob er eines der Bücher mitnehmen dürfe. Damit könne er auch sein Deutsch verbessern, meinte er. Ich schrieb ihm liebend gerne eine persönliche Widmung, verabschiedete Bogdan in herzlichster Freundlichkeit und bat ihn zur Tür hinaus. Mit dem Versprechen, ihn zu rufen, wenn ich Hilfe für eine weitere Reparatur brauchte.

Diese Begegnung hallte noch lange nach. Sie beinhaltete alle Leichtigkeit und allen Segen, den Menschsein mit sich bringt, wenn man die Anbindung an das Göttliche pflegt, ihm Raum gibt und im Vertrauen sein Leben lebt.

In einer Welt und in einer Zeit, in der das natürlich Menschliche mehr und mehr in den Hintergrund gedrängt wird und verloren geht, sind Begegnungen dieser Art gerade in unserer westlichen Welt Balsam für Herz und Seele. In den Schwellenländern, die ich bereist habe, passieren solche Wunder täglich.

Was ich aus dieser Erfahrung einmal mehr lerne? Dass ich Schöpferin dieser Wunder in meinem Alltag bin. Dass meine Absicht und meine Ausrichtung diese Wirklichkeit erschaffen. Und dass Leben immer schöne Überraschungen bereit hält.

Ein offenes Herz, das im Vertrauen seinen Weg geht, erschafft die Lösungen für die Probleme des Alltags in genau der Art und Weise, und in exakt der Form, die die Seele ersehnt. Wir sprechen unentwegt Herzenswünsche aus. Manchmal bewusst, sehr oft aber unbewusst. Manchmal hilft es, wenn wir den Wunsch nieder schreiben. Dann absorbiert er weniger Energie, weil er mehr oder weniger losgelassen wurde.

Und was dann noch zu tun ist? Vertrauen, dass die beste Lösung für alle Beteiligten im rechten Moment und am rechten Ort zutage tritt.

Was ich dir wünsche?  Einen Alltag voller Wunder und ein dankbares Herz.

 

Herzensgrüße

Erika

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