Im Mai war ich einer ehemaligen Lehrerkollegin „zufällig“ in der Innenstadt wieder begegnet. Mittlerweile hatte sie längst das Amt der Direktorin in der Privatvolksschule inne, in der ich neun Jahre und bis zum Jahr 2004 unterrichtet hatte.

Die Schule ist in dem alten Schloss Rodaun untergebracht, das vermutlich schon im 12. Jahrhundert existierte. 1898 wurde es von der Familie Mautner Markhof an den römisch-katholischen Orden Sta. Christiana – der Schwestern der heiligen Kindheit Jesu und Mariä – verkauft.

Der großzügig angrenzende Schlosspark war stets ein Paradies, und immer war es mir ein Anliegen gewesen, meine Schützlinge so oft es ging in die freie Natur zu entlassen. Gewiss hatte ich ihnen bereits damals etwas von meinem Freigeist mitgegeben 😊

In dem kurzen Smalltalk vor dem Eissalon Tuchlauben meinte Hanni, ich solle sie doch vor Schulschluss besuchen kommen. Es wäre ihr letztes Schuljahr, und sie würde im Juli die wohlverdiente Pension antreten. Die Einladung nahm ich mir zu Herzen und legte heute am letzten Schultag dieselbe Wegstrecke zurück, die mir jahrelang so vertraut gewesen war.

So vieles hatte sich verändert. Die Menschen. Die Räumlichkeiten. Die Einrichtung. Das Gebäude. Einige bekannte Gesichter waren noch da. Und rührend waren die Begegnungen. Freudvoll wurde ich begrüßt, herzlichst umarmt und in zahlreichen Gesprächen wurden mir so viele Geschenke zuteil, indem mir Kolleginnen längst vergessene Meilensteine in Erinnerung riefen. Ich hätte Spuren hinterlassen, so hieß es.

Dass mir zu Beginn gleich Pater Josef über den Weg lief, der der Schule bis heute die Treue hält, und in dessen Gegenwart ich lange die Schulmessen musikalisch begleitet hatte, war ein besonderes Geschenk. Er lauschte meinen Reiseerzählungen der vergangenen Jahre und meinem aktuellen beruflichen Wirken mit ganz großem Interesse und bedankte sich aufs Herzlichste, als ich ihn inspirieren konnte, sich doch noch einen Computer zuzulegen. Wenn das mein Vater mit seinen 75 Jahren schaffte, dann war auch er motiviert, mit seinen 72 Jahren etwas Neues zu lernen 😊

Der heutige Tag war ein Netzwerktreffen der besonderen Art mit ganz und gar erfüllenden Gesprächen. Bis zuletzt saßen wir zu dritt zusammen, und ich fühlte ganz eindeutig, wie die Lehrerin in mir heute auf einer ganz anderen Ebene und in einer neuen Art und Weise wirkte. In den Gesprächen war deutlich spürbar, wie sich neue Bewusst-Seins-Räume für uns alle auftaten.

Ich habe viele Geschenke erhalten und auch Geschenke dagelassen. Ich konnte in erster Linie inspirieren und habe den liebevollen Kommentar einer Kollegin rührend gefunden, als sie meinte, das wäre nicht das letzte Mal gewesen, dass wir miteinander sprachen.

Zuletzt wollte ich eine stille Runde durchs Haus gehen und noch einmal spüren, wie es mir damit erging. Es war ein meditativer Gang durch Stiegenhäuser, die ich einst betreten und Klassen, die ich eine Weile bewohnt hatte. Es war, als ob die Mauern sich erinnerten und mir gleichzeitig mitteilten, dass es gut war, meinen ureigenen Weg gegangen zu sein. Es stimmte, das Wachstum, das mir durch die Entscheidung vor 15 Jahren möglich geworden war, würde ich nie mehr missen wollen.

Als ich schlussendlich die kleine Runde im angrenzenden Schlosspark beendet hatte, bemerkte ich, dass ich mutterseelenallein in der Schule zurückgeblieben war. Für einen kurzen Moment war ich erschrocken, da alle Tore verschlossen waren. Da fiel mir ein, dass womöglich die geistlichen Schwestern, die die alte Villa im Park bewohnen, zugegen waren. Einen Versuch war es wert.

Ich traf Schwester Gabi in einem Schaukelstuhl im Garten an. Auf dem Tisch neben ihr lag eine Bibel. Sie selbst war in eine Kontemplation versunken und schien sich nicht gestört zu fühlen, als ich ihren Namen rief. Sie erkannte mich wieder und erinnerte sich daran, dass ich bereits als Lehrerin immer schon andere, noch nicht begangene Wege, gegangen war. Ihre feine Wahrnehmung berührte mich.

Vielleicht hat es mich nicht verwundert, als sie mir erzählte, dass die Patronin des Ordens, die Hl. Christiana aus Georgien, eine marcheuse – eine Frau auf Wanderschaft gewesen war. Etwas das meinen eigenen Wanderjahren plötzlich noch mehr Sinn verlieh. Und vermutlich hatte mich der Geist der Heiligen in all der Zeit sehr liebevoll begleitet.

Als Schwester Gabi nach dem Schlüssel schaute, und wir schließlich in Richtung Tor spazierten, öffnete sich dieses plötzlich wie von Zauberhand. Zwei offensichtlich bekannte Seelen betraten das Grundstück, und Gabi drückte das aus, was ich genauso empfand: „Nicht wahr, Erika. Türen können sich immer und überall öffnen.“ Ich nickte lächelnd.

Dieser für viele letzte Schultag war für mich ein sehr besonderer Tag. Er war göttlich geführt. Die Seele hatte gerufen. Ich war ihr gefolgt.

Und das war sehr gut so 🙂

 

Wenn du lernen möchtest, dem Ruf deiner Seele zu folgen, dann komm ins Gespräch mit mir!

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